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Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Verfassungstheorie und Rechtsphilosophie (ÖR IV) – Prof. Dr. Carsten Bäcker

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Forschung

Im Zentrum der Forschung des Lehrstuhls steht, der Denomination entsprechend, das Öffentliche Recht mit seinen Verbindungen zur Rechtsphilosophie. Rechtsphilosophie wird dabei im Sinne analytischer Rechtsphilosophie verstanden, die auch als Rechtstheorie bezeichnet werden kann. Ein besonders hervorgehobener Forschungsschwerpunkt liegt in der Verfassungstheorie, als systematischer Durchdringung der mit dem Grundgesetz gegebenen verfassungsrechtlichen Grundlagen.

Rechtsphilosophie, Rechtstheorie und Verfassungstheorie sind ihrem Gegenstand nach universell angelegt. Gleichwohl bildet das deutsche Öffentliche Recht, das Verwaltungs- und noch mehr das Verfassungsrecht, im Regelfall den Ausgangspunkt für die am Lehrstuhl angesiedelten Forschungsvorhaben. Sie reichen von der Kritik staatsorganisationsrechtlicher Grundsätze wie dem Rechtsstaatsprinzip in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts über grundrechtsdogmatische Fragen wie der der Abwägungsfähigkeit der Menschenwürde als Prinzip im Sinne von Art. 1 Abs. 1 GG bis hin zu Überlegungen zur Rechtslage des Whistleblowers im Amt. Daneben werden die Grundlagen des Öffenltichen Rechts auch losgelöst vom positiven Recht adressiert.

Die Forschungen des Lehrstuhlinhabers stehen auf der Grundlage einer relativistisch verstandenen Diskurstheorie des Rechts, die weder prozedural noch materiell idealistische Richtigkeitsvorstellungen anerkennt. Leitendes Ziel der darauf aufbauenden Forschung ist es, das in Deutschland bestehende System des Öffentlichen Rechts einschließlich seiner Methodologie auf dieser Grundlage rechtstheoretisch zu kritisieren und zu rekonstruieren. Begonnen ist dies mit Bemerkungen zum diskurstheoretischen Modell des Rechts, mit einer Kritik an der vor dem Hintergrund dieses Modells kaum zu rechtfertigenden Möglichkeit nichtbegründeter Nichtannahmen von Verfassungsbeschwerden und Überlegungen zu der mit dem diskurstheoretsichen Modell des Rechts kaum in Einklang zu bringenden Anerkennung eines unbegrenzten Verfassungswandels.

Institutionell verfolgt der Lehrstuhl für seine Forschungsgebiete zwei vorrangige Zielsetzungen: Die Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses und die Steigerung des interdisziplinären wie internationalen Austauschs. Dazu unterstützt der Lehrstuhl das Junge Forum Rechtsphilosophie (JFR), die nationenübergreifende deutschsprachige Nachwuchsorganisation der Internationalen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie (IVR, Deutsche Sektion). Lokal organisiert der Lehrstuhl mehrmals im Semester interne Kolloquien, in denen aktuelle Entwicklungen in den Forschungsgebieten des Lehrstuhls aufgegriffen und diskutiert werden. Mehrfach im Semester werden – im Rahmen der gemeinsam mit dem Erlanger Lehrstuhl von Andreas Funke inszenierten Gespräche zur Juristischen Grundlagenforschung – national wie international renommierte Gäste nach Bayreuth eingeladen, die universitätsöffentlich über ihre Foschungen im Bereich des Juristischen Grundlagendenkens berichten und danach auch informell zu Gesprächen bereit sind. Ferner wirkt der Lehrstuhl, gefördert von der DFG, an kognitionspsychologischen Experimenten zur Rationalität von Entscheidungen im Recht mit.

Juristische Grundlagengespräche in Oberfranken (JGF)Einklappen

Gemeinsam mit dem Erlanger Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie und dessen Inhaber, Andreas Funke, veranstaltet der Lehrstuhl die Gespräche zur Juristischen Grundlagenforschung Bayreuth–Erlangen.

Praxis, Dogmatik und Theorie des Rechts werden als isolierte Zweige der Jurisprudenz wahrgenommen. Trotz ihrer Unterschiede sind sie aber untrennbar miteinander verwoben. Mit den Gesprächen zur Juristischen Grundlagenforschung wird ein Forum angeboten, in dem Wissenschaftler/innen, Studierende und Praktiker/innen an den Schnittstellen dieser Disziplinen miteinander ins Gespräch kommen können. Es werden übergreifende Perspektiven auf die Grundfragen der Rechtswissenschaft vorgestellt, wobei die klassischen Ansätze der Rechtsphilosophie, Rechtsgeschichte und Rechtssoziologie ebenso Berücksichtigung finden wie jüngere und jüngste Theorieentwicklungen.

Zum laufenden Programm (aufgrund der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ist das Programm bis auf weiteres ausgesetzt): Programm Sommersemester 2020

Zu den Programmen vergangener Semester:
Programm Wintersemester 2019/20
Programm Sommersemester 2019

Weitere Informationen finden Sie hier: https://blogs.fau.de/oer4/.

Internationale Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie (IVR)Einklappen

Die Internationale Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie (IVR) wurde am 1. Oktober 1909 in Berlin als „Internationale Vereinigung für Rechts- und Wirtschaftsphilosophie“ begründet und 1933 in „Internationale Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie“ umbenannt.

Die IVR ist die älteste, größte und bedeutendste Vereinigung im Bereich der Rechts- und Sozialphilosophie. Gründungsvorsitzende waren Josef Kohler, Fritz Berolzheimer und Carl Fürstenberg. Gründungspatron war der Unternehmer und Sozialpolitiker Wilhelm Merton, der die Handelshochschule und spätere Universität Frankfurt/Main mitbegründet hat. 1959 wurde in Wien auf dem 2. Weltkongreß der IVR nach dem 2. Weltkrieg die Aufgliederung in nationale Sektionen beschlossen. Heute zählt die IVR über 40 nationale Mitgliedsverbände mit mehr als 2000 Mitgliedern auf der ganzen Welt, die jeweils unterschiedlich organisiert sind. Die Gesamtvereinigung ist ein eingetragener Verein deutschen Rechts mit Sitz in Wiesbaden. Ihr Zweck ist gemäß Satzung die Pflege und Förderung der Rechts- und Sozialphilosophie auf nationaler und internationaler Ebene ohne Ausschluß einer wissenschaftlichen Richtung. Zur Erfüllung dieses Zwecks führt die Vereinigung alle zwei Jahre Weltkongresse durch. Über ihre laufende Arbeit unterrichtet das Weltpräsidium durch regelmäßige Newsletter.

Wissenschaftliches Organ der IVR ist die bereits im Jahre 1907 von Josef Kohler und Fritz Berolzheimer gegründete internationale Zeitschrift für Rechts- und Sozialphilosophie (ARSP), die als wichtigste Publikation auf ihrem Gebiet angesehen wird. In ihr werden inzwischen Beiträge in vier Sprachen – deutsch, englisch, französisch und spanisch – veröffentlicht.

Unter den nationalen Mitgliedsverbänden der IVR nimmt die Deutsche Sektion einen führenden Platz ein. Die seit Anfang der 60er Jahre bestehenden Sektionen der BRD und DDR haben sich 1990 zusammengeschlossen. Derzeit zählt diese fast vierhundert Mitglieder, die auch gleichzeitig Mitglieder der Gesamtvereinigung sind. Die deutsche Sektion der IVR ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein zur Förderung der Wissenschaft.

Anfang der 90er Jahre wurde aus der IVR heraus das Junge Forum Rechtsphilosophie gegründet, eine Initiative vor allem von Assistenten und Mitarbeitern aus den Bereichen von Rechtsphilosophie und Rechtssoziologie, die im deutschsprachigen Raum mittlerweile eine Reihe von eigenständigen Tagungen abgehalten hat.

Weitere Informationen finden Sie hier: https://rechtsphilosophie.wordpress.com

Junges Forum Rechtsphilosophie (JFR)Einklappen

Das Junge Forum Rechtsphilosophie (JFR) ist die Vereinigung junger deutschsprachiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Rechts- und Sozialphilosophie, Rechtstheorie und Rechtssoziologie. Es wurde Anfang der 90er Jahre ins Leben gerufen und steht in enger Verbindung mit der Deutschen Sektion der 1909 begründeten Internationalen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie (IVR). Das JFR ist allerdings übernational.

Das JFR dient dem Austausch und Kontakt unter jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Bereich der Rechtsphilosophie. Hierzu veranstaltet das JFR jährliche Tagungen, auf denen die Forschungsprojekte der Mitglieder in einem interessierten und informierten Kreis vorgestellt und diskutiert werden können. Die Mitgliedschaft im JFR ist kostenlos.

Neben seinen jährlichen Tagungen bietet das JFR stets aktuelle Informationen zu seinen Aktivitäten und rund um die Rechtsphilosophie. Diese gehen den Mitgliedern per Email als Newsletter zu, in dem regelmäßig auch über die Aktivitäten des JFR berichtet wird. Wer in den Email-Verteiler des JFR aufgenommen werden möchte, schreibe bitte Herrn Dr. Markus Abraham (Universität Hamburg) eine kurze Nachricht.

Weitere Informationen finden Sie hier: https://rechtsphilosophie.wordpress.com/junges-forum-rechtsphilosophie/

New Frameworks of Rationality (DFG-SPP)Einklappen

Das interdisziplinäre DFG-Special-Priority-Program New Frameworks of Rationality hat sich die Erforschung der menschlichen Rationalität zur Aufgabe gemacht.

Im Zentrum des Programms stehen zwei Fragen: Was ist unter "rational" zu verstehen? Wie rational können Menschen in ihrem Alltagsleben denken und entscheiden? Psychologen, Philosophen, Kognitionswissenschaftler und Informatiker aus dem In- und Ausland kooperieren eng vernetzt im grundlagenorientierten Projekt, um Antworten auf diese fundamentalen Fragen zu finden.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Markus Knauff (Gießen) leitet Dr. Carsten Bäcker seit der Gründung des SPP im Herbst 2011 das Projekt Revising Rational Beliefs in Legal Reasoning, für das im Sommer 2014 eine zweite Förderperiode bewilligt wurde. Im Projekt wird die Rationalität der Akteure der juristischen Argumentation auf einen psychologischen Prüfstand gestellt. Das Projekt soll empirisches Material zur Einschätzung der Grenzen der Rationalität juristischer Begründungen liefern. Rechtstheoretisch geht es dabei um die Frage nach der Rationalität von Abwägungen und um das Phänomen der Defeasibility rechtlicher Regeln. Mit dem Ende des Jahres 2020 läuft das Projekt aus.


Verantwortlich für die Redaktion: Univ. Prof. Dr. Carsten Bäcker

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