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Vortrag von Prof. Dr. Thilo Kuntz am 6. Mai
Im Rahmen der Vortragsreihe "Gespräche zur Juristischen Grundlagenforschung Bayreuth – Erlangen" wird Herr Prof. Dr. Thilo Kuntz, LL.M. (University of Chicago) von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf am 06.05.2026, 18-20 Uhr (c.t.), im K 3 (RW I) einen Vortrag mit dem Titel "Recht als Artefakt – Auslegung als Rechtserzeugung und ihre Grenzen" halten. Der Vortrag steht allen Interessierten offen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Abstract: "Nach in Deutschland verbreiteter und v.a. in der Lehre fest verankerter Ansicht gibt es eine Grenze zwischen Auslegung und Rechtsfortbildung. Diese Unterscheidung spiegelt sich wider in dem herrschenden Verständnis, der Bezugspunkt von Dogmatik sei das „geltende“ Recht. Das soll zugleich die Reichweite dessen begrenzen, was „Rechtswissenschaft“ ist. Einer solchen Sichtweise gegenüber steht die in den USA herrschende Kritik an formalisierendem doktrinärem Denken und der Siegeszug der law and…-Studien. Verfechter des legal realism verweisen auf die Gerichtspraxis, die legal doctrine vielfach als reines window dressing erscheinen lasse. Anhänger der critical legal studies meinen, vor allem Machtasymmetrien bestimmten den Ausgang eines Verfahrens. Das wirft wiederum die Frage auf, ob es dann Grenzen der richterlichen Tätigkeit geben kann. Der Vortrag setzt an diesem Spannungsverhältnis an und entwickelt eine vermittelnde Perspektive. Er erklärt, wie Recht als Artefakt in der Anwendung erzeugt wird, leitet aber aus diesem Blickwinkel Grenzen ab. Genauso wenig, wie alles Kunst ist, was eine Person, die sich für eine Künstlerin hält, zur Kunst erklärt, ist alles Recht, was Gerichte (und Verwaltung) für geltendes Recht halten."